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Wenn auch erst
im Jahre 1912 eine Karnevalsgesellschaft gegründet
wurde, so war jedoch in dem ehemaligen rein katholischen
Herschbach viele Jahre zuvor fastnachtliches Geschehen
zu beobachten. In der Fastnachtzeitung von 1937
ist zu lesen: “Eines Tages nun hatte er sich
erzählen lassen (Prinz August I), wie man in
früheren Jahren in Herschbach tüchtig
Karneval gefeiert hatte, besonders auch in den 80er
und 90er Jahren”.
Natürlich
war in dieser Zeit die Fastnacht noch nicht organisiert,
doch werden Veranstaltungen samstags- und sonntagsabends
bereits durchgeführt worden sein. Auch am Montagvormittag
war sicherlich fastnachtliches auf den Straßen
zu sehen. Nach dem Erschließen der Herschbacher
Quarzitgruben war das finanzielle Fundament für
kleinere Feiern gelegt. Fastnachtmontag mittags
zogen die Steinbruchsarbeiter aus ihren Gruben Richtung
Herschbach. Schnaps, selbstgebrannter natürlich,
hatte vorher schon genügend die Runde gemacht.
Ein “Sack von Schnaps” wurde noch mitgeführt.
So zog man durch Herschbach bis zur Volksschule.
Hier wurden die Kinder aus den Klassen geholt und
so zog man dann gemeinsam durch das Dorf.
Um
die Jahrhundertwende muß bereits ein Zug durch
Herschbach gelaufen sein, denn auf der Kreuzung
Selters-Dierdorf riß ein Pferd aus und tötete
ein Kind. Von diesem Zeitpunkt an lief offiziell
kein Fastnachtszug mehr durch Herschbach.
1912
war es dann aber soweit, die verschiedensten Aktivitäten
mußten organisiert werden. Die Karnevalsgesellschaft
Herschbach wurde gegründet. Als Gründer
sind nur bekannt: Peter Stahl, Josef Hecker und
August Reifenberg.
In
den Annalen steht zu lesen: “Im Jahre 1912
war es, daß man sich mit einigen Interessenten
zusammenhockte und beschloß, einem Prinzen
Karneval wieder die Tore Herschbachs zu öffnen,
um allen Miesmachern und Muckern das Handwerk zu
legen.” Man ging eifrig daran, die Narrheit
zu organisieren und setzte der Narrheit gleich die
Krone auf, indem man einen Prinzen erkor, der auch
das Amt ganz närrisch zu handhaben wußte
- Prinz Franz I Weßler.
1913
regierte Prinz Karl I Nies (Kapppes ist Kappes)
und 1914 Prinz Franz II Hisgen, genannt “Drechsler”,
der an Körperlänge wohl den Rekord im
Westerwald schlug, der auch an Witz und Humor ein
ganz hervorragendes Regiment führte. Weiter
ist zu lesen: “Der nun ausbrechende Krieg
konnto wohl die Narrheit dämmen, aber nicht
erdrosseln”. Kaum war unser Junge (August
Reifenberg) wieder daheim, da prickelte es wieder
in seinen Adern vor angestammten Narrentum und schauspielerischem
Tätigkeitsdrang. Der Theaterverein bot die
Plattform für das Wiederaufleben des Karnevals.
Interessant
ist, zu vermerken, daß 1929 zwei Prinzen Karneval
herschten. Alois Herbst für den Turnverein
und Johann Hörle für den Theaterverein.
So ist Anfang der 30er Jahre in der Pfarrchronik
zu lesen: “Im Feiern sind die Herschbacher
nicht zu übertreffen. Es fehlen noch Samstage
und Sonntage, an denen sie feiern können!”
Im
Verhältnis zu den umliegenden Dörfern
waren die Herschbacher zu dieser Zeit relativ reich,
konnten sie doch einer regelmäßigen Arbeit
in den Steinbrüchen nachgehen.Seit Beginn der
fastnachtlichen Aktivitäten nach dem 1. Weltkrieg
wurde eine Fastnachtszeitschrift “Narrenpost”
herausgegeben. Leider sind nur noch wenige Exemplare
auffindbar. Hierin wurden Ereignisse und Geschehen
des vergangenen Jahres glossiert und Herschbacher
“durch den Kakao” gezogen. In erstaunlicher
Offenheit wurden “Roß und Reiter”
angedeutet.
Da
die Fastnacht in Jahren 1935 bis 1937 gemeinsam
mit dem Kur- und Verkehrsverein organisiert wurde,
sind für diese Epoche gute Quellen vorhanden.
1939 wurde wegen des 2. Weltkrieges zum letzten
Mal eine Fastnacht organisiert. Prinz Karneval war
Josef Weingarten unter dem Motto “Alles in
Butter”.
Das
Karnevalsgeschehen nahm nach dem 2. Weltkrieg trotz
großer Hindernisse einen großen Aufschwung.
Man mußte zwar bei “Null” anfangen,
doch Idealismus und Zähigkeit sowie die Freude
an der wiedergewonnen Freiheit zeigten Früchte.
Bereits 1949 wurde wieder ein Rosenmontagszug organisiert.
Es regierte nicht nur ein Prinz, sondern ab jetzt
ein Prinzenpaar! In zwei, später sogar in drei
Sälen wurde Fastnacht gefeiert (im “Wirtsches
Saal”, beim “Hans” und beim “Schardt”).
Unbeschreiblich war die Atmospähre während
den Kappensitzungen im “Wirtsches Saal”
eng gedrängt, aber Stimmung und Freude im Herzen.
Bis
1952 war Adolf Schmidt 1. Vorsitzender
der Karnevalsgesellschaft Herschbach. Anstelle für
alle, welche nach dem Krieg mit viel Einsatz unter
schwersten Bedingungen die Fastnacht wieder zum
Leben erweckt haben, möchten wir den Vorstand
des Jahres 1953 erwähnen.
1. Vorsitzender: August Schardt
2. Vorsitzender: Josef Himmerich
1. Schriftführer: Franz Grebe
1. Kassierer: Berni Köth
2. Kassierer: Theo Nies
Beisitzer waren: Hubert Michels, Franz Beuler, Josef
Weingarten, Georg Stahl, Peter Schmidt, Willi Eiffler,
August Reifenberg und Bernhard Eberz
Von
den Rosenmontagszüge Anfangs der 50er Jahre
hatte Herr Lehrer Hilger Schmalfilme gedreht.In
den kommenden Jahren werden Georg Stahl, Bernhard
Stein, Werner Piroth und ab 1959 Peter Schmidt als
1. Vorsitzende genannt.Als Präsidenten der
Kappensitzungen werden Wille Eiffler, Josef Eberz
und Peter Schmidt erwähnt.Im Jahre 1961 fielen
Kappensitzung und Rosenmontagszug wegen politischer
Querelen aus.
Ab
1963 leitet Fred Meinhardt die
Kappensitzungen. Zur Freude aller Narren trat 1965
zum ersten Mal ein Amazonencorp auf. Im gleichen
Jahr wurde unter Mitwirkung der damals sehr bekannten
Geschwister Leismann ein bunter Abend gestaltet.1966
wurde Josef Antweiler zum 1. Vorsitzenden gewählt.
Unter seinem Vorsitz traten die Jacobs-Sisters während
eines bunten Abends auf.
Im
Jahre 1967 wurde zum ersten Mal
im Fernsehen von der Herschbacher Fastnacht berichtet.
Danach wurde wiederholt von der Regionalschau Herschbach
Fastnacht aufgezeichnet und gesendet. Bis in die
60er Jahre zogen die Kinder am Montagvormittag durch
dir Straßen und sangen in den Häusern
Fastnachtslieder.Als nächster Vorsitzender
fungierte ab 1972 Dieter Schenkelberg, gefolgt von
Karl Brach von 1975 bis 1985. Anschließend
übernahm Walter Piroth das Amt des 1. Vorsitzenden.
Zur Zeit leiter Gerd-Josef Dickopf die Geschicke
des Vereines.
Gerhard
Schenkelberg leitete von 1973 bis 1975 die Kappensitzungen.
Hans-Jürgen Krah mußte “kurzerhand”
1976 diesen Posten übernehmen. Sein Nachfolger
wurde Hartmut Pfeiffer. Der das Amt weiter reichte
an Guido Massfeller. Seit 2006 ist Marius Schenkelberg
Sitzungspräsident der KG.
Die
Herschbacher Fastnacht machte ihrem Namen alle Ehre.
Der Rosenmontagszug wird immer bunter und größer.
Im Jahre 1976 kauft die Karnevalsgesellschaft Herschbach
für den Wagenbau eine Halle, da Scheunen und
das alte Feuerwehrhaus dafür nicht mehr zur
Verfügung stehen. Tausende von Zuschauern drängen
sich am Rosenmontag in den engen Herschbacher Straßen,
um den weithin schönsten und buntesten Karnevalszug
zu erleben. Die Prunkwagen sind mit tausenden Papierblumen
geschmückt. Viele Abende, schon lange vor Fastnacht,
sitzen Gruppen zusammen, um dies Blumenpracht herzustellen. |